INTERPRETATIONSANSÄTZE ZU LESSINGS "EMILIA GALOTTI"
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  1. Der Schluss ist resignativ. Lessing will zeigen, dass das Bürgertum zu schwach ist, sich gegen den Adel zu wehren. Das Stück ist somit antirevolutionär.
  2. Lessing kritisiert das Bürgertum. Seiner Ansicht nach führt sowohl die scharfe Abgrenzung gegen den Adel (Odoardo) als auch die heimliche Bewunderung des Adels zum Selbstverlust der eigenen Klasse.
  3. Der Schluss des Dramas soll die Zuschauer provozieren, sich aktiv gegen den Adel zur Wehr zu setzen, Das Drama hat revolutionären Charakter, gerade weil Odoardo seine Tochter tötet. Damit provoziert er im Publikum eine heftige Proteststimmung gegen den Adel.
  4. Aus Emilia spricht eine gewisse „emanzipatorische Energie" des Bürgertums. Zwar lehnt sich dieses noch nicht direkt auf, aber es nimmt sein Schicksal in die eigene Hand — und sei es bislang auch nur, indem es sich selbst tötet.
  5. Lessing kritisiert die Familienstruktur seiner Zeit, indem er zeigt, dass Odoardo seine Tochter lieber tötet als zuzulassen, dass sie seiner väterlichen Verfügungsgewalt entzogen wird.
  6. Das bürgerliche Tugendideal beweist sich als untauglich für die gesellschaftliche Praxis, weil es weltfremd ist. Die vermeintliche Stärke des Bürgertums wird somit letztendlich zur tödlichen Schwäche. Das bürgerliche Ideal der Privatheit macht seine Vertreterinnen unfähig, in schwierigen Situationen richtig zu reagieren. Dies wird vom Adel korrupt ausgenutzt.
  7. Lessing will die Zuschauer dazu bringen, politisch bewusster zu handeln und sich nicht nur in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. Die souveräne Adelsherrschaft soll durch ein emanzipiertes Bürgertum überwunden oder zumindest zum aufgeklärten Absolutismus hin weiterentwickelt werden.
  8. Lessing führt dem Publikum die Wirklichkeit vor Augen: Auch in dieser waren die Untertanen machtlos und auch in dieser würden die Bürgermädchen von Fürsten verführt. Das Stück ist nur realistisch.
  9. Emilia stirbt, um ihre Unschuld zu bewahren. Damit demonstriert Lessing die Stärke des bürgerlichen Tugendideals und setzt damit einen Kontrapunkt zur höfischen Lasterhaftigkeit, der den Zuschauern Selbstbewusstsein und Klassenbewusstsein geben soll.
  10. „Emilia Kalotte" ist ein religiöses Drama. Odoardo verweist zum Schluss auf Gott als höchsten Richter, der in seiner Gerechtigkeit die Klassenunterschiede aufheben und die Schuldigen bestrafen wird. Lessing zeigt, dass der Kampf um Gerechtigkeit nicht vom Menschen ausgehen darf, solange dieser selbst noch unvollkommen ist.